Geschichte und Entwicklung der Magirus-Frontlenker Mercur bis Pluto

Text und Bilder: Peter Burkhart / OCM

Die  Weiterentwicklung des Frontlenkers von Magirus  begann Mitte der Fünfziger Jahre.Vorher gab es einige Einzelanfertigungen, wie etwa 1955 einen Frontlenker-Sattelschlepper mit der Bezeichnung S 4500 als Prototyp für Australien oder ein 1951 geliefertes Frontlenker- Fahrgestell des Typs S 6500 mit Kässbohrer-Aufbau. Erst zur IAA 1955 stellte Magirus den ersten deutschen Frontlenker Lastwagen mit kippbarem Fahrerhaus vor, den Typ S 7500 F Jupiter.

Beim Fachpublikum löste die Neuheit zwar Bewunderung für die technische Lösung aus, denn der Motor war besser zugänglich als je zuvor. Man war aber der Meinung, dass sich das Fahrerhaus bei einer Vollbremsung aus der Verankerung lösen und nach vorne schlagen könnte. Die Zeit war für dieses Konzept noch nicht reif. Doch Magirus ließ sich durch diese Enttäuschung nicht entmutigen und entwickelte ab 1956 eine neue Frontlenker-Familie mit feststehendem Fahrer Haus und ansprechenden, rundlichen Konturen.

Die Vorstellung dieser neuen Baureihe begann im Jahre 1957 mit der kleinsten Variante. Es handelte sich um den Typ Mercur F mit neun Tonnen Gesamtgewicht. Der luftgekühlte  Vierzylinder-Deutz Motor mit der Bezeichnung F 4 L 514 leistete 85 PS.Gleichzeitig mit dem Mercur F erschien 1957 der Mercur 112 F mit dem stärkeren Sechszylinder Motor F 6 L 514 D und 112 PS alternativ bot man auch eine Sattelzugmaschine vom Typ Mercur 125 F mit 125 PS an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Mercur gab es ab 1959 als 120 F und 120 F Export, beide mit dem 120 PS Motor F 6 L 613 bei unterschiedlichen Gesamtgewichten. Noch einmal änderte sich 1963 die Typenbezeichnung in Mercur 126 F, wobei die gleiche Maschine auf eine Leistung von 126 PS angehoben wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Jahre 1958 enstand die Saturn Familie , zunächst mit dem Saturn 145 F als zweiachsigem Lastwagen, sowie einer Sattelzugmaschine für zwölf Tonnen Gesamtgewicht und dem Sechszylinder F 6 L 714 mit 145 PS. Bei gleichem Motor, aber mit auf 150 PS gesteigerter Leistung änderte sich die Typenbezeichnung 1961 in Saturn 150 F.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Jahr 1959 gab es die ersten Sattelzugmaschinen des Typs Saturn 195 F 6x4, ausgerüstet mit dem Achtzylinder 195 PS Motor des Typs F 8 L 714. Drei Jahre später wurde die Leistung und die Typenbezeichnung in Saturn 200 F-S geändert. Der erste Fernverkehrslastwagen mit 16 Tonnen Gesamtgewicht erschien 1959 als Jupiter 195 F-L. Anfänglich erhielt der LKW das Fahrerhaus des Saturn,für das aber der Achtzylinder-Motor mit 195 PS zu groß war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da auch das Erscheinungsbild schlecht zu den schweren Lastwagen paßte, verwendete Magirus ab 1960 ein neues, größeres Fahrerhaus. In der Gestaltung orientierte es sich genau an der optischen Linie der kleineren Baureihe, wenn auch anders proportioniert. Das weiter nach vorn gezogene Fahrerhaus hatte breitere und tieferliegende Einstiegsstufen vor der Vorderachse, später baute man ein Sichtfenster unten in der rechten Tür ein und die Nebelscheinwerfer wanderten in die Stoßstange.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das optisch und technisch hervorragende Fahrerhaus erhielt 1962 auf dem Pariser Salon eine Prämierung. Ab 1962 taufte man den Jupiter in Pluto um, die Leistung des Motors F 8 L / 714 wurde auf 200 PS angehoben. Die Fahrzeuge waren nun als Pritsche, Kipper und Sattelzugmaschinen im Programm.Für den Internationalen Fernverkehr gab es den Pluto mit einer 13- Tonnen Hinterachse und 19 Tonnen Gesamtgewicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine wichtige Rolle in der Frontlenker-Geschichte  bei Magirus spielten die Fahrgestelle für Komunal-Fahrzeuge .Bis heute legt man bei IVECO großen Wert auf die Belange der Kommunen und privaten Entsorger in Bezug auf zweckgerechte Fahrgestelle, für die in Eigenregie oder von anderen Herstellern gefertigten verschieden Spezialaufbauten. Durch Einbau anderer Motoren, veränderte, Gesamtgewichte und Radstände, besondere Nebenantriebe, größere Fahrerhäuser ect.unterscheiden sich die Kommunal-Fahrzeuge teilweise erheblich von den Serienausführungen. Nach der Produktionseinstellung von Kommunal-Aufbauten für Müll- und Turmwagen bei Magirus arbeitete man sehr eng mit den Aufbauherstellern, vor allem Haller, Streicher, Schörling und Stadler zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach fast zehnjähriger Bauzeit erschien ab 1965 eine völlig neue Fahrzeuggeneration und löste die rundlichen Formen durch dem Zeitgeist entsprechende eckige, aber dennoch sehr formschöne Fahrerhäuser für den Nah-und Fernverkehr ab.