Text und Fotos: Herbert Tilch/Fröndenberg
Als Mitte der 70er Jahre die "Deutschen Bullen" von MagirusDeutz
an die UDSSR ausgeliefert wurden, ging ein Teil der Fahrzeuge auf die laufende
Baustelle der Eisenbahnlinie BAM (BaikalAmur-Magistrale). Mitte der 80er Jahre
war die Strecke fertiggestellt. Sie zweigt ca. 150 km östlich Krasnojarsk von
der TRANSSIB ab, geht über Bratsk nördlich am Baikal-See vorbei nach Tynda und
hinter Komsomol'sk/Amur wieder zur TRANSSIB nach Chabarovsk. Länge ca. 4.000 km.
Die LKW's wurden nun wie immer unter härtesten Bedingungen anderweitig
eingesetzt. Im Sommer fahren die "Überlebenden" teilweise bis zu den Achsen im
Schlamm und im Winter über Eis und Schnee bei minus 50 Grad und voller
Auslastung!
Auf unseren Reisen 2004 und 2006 nach RUS "FERN-OST" haben wir Restbestände des
DeIta-Projektes nur noch in Jakutien gesehen.
Standort der Fahrzeuge ist dort oft Tommot (ca. 650 km südlich von Jakutsk an
der Magistrale M 56). Hier werden sie entweder als Sattelzugmaschinen im
Fernverkehr auf der M 56 oder als Muldenkipper beim Bau einer neuen ca. 1.100 km
langen Eisenbahn-Nebenstrecke der BAM/TRANSSIB von Tynda nach Jakutsk
eingesetzt. Die Linie ist zur Hälfte fertiggestellt.
Jakutsk (ca. 400.000 Einwohner) ist die Hauptstadt der Republik/Jakutien. Dies
ist die grösste Republik in Russland. So gross wie der indische Subkontinent
aber fast menschenleer. Im Norden des Landes gibt es an der Lena grosse Gold-
und Diamantenvorkommen. Hier werden im Winter Temperaturen bis -70 Grad
gemessen. Es ist der Kältepol der Welt. Jakutsk liegt ca. 11.500 km und +8
Zeitzonen von Ulm entfernt.
In einigen Jahren, wenn die Eisenbahnlinie Tynda - Jakutsk in Betrieb geht, wird
die Existenzgrundlage für die Spediteure entfallen, denn die Versorgung der
Hauptstadt Jakutsk übernimmt dann die Bahn neben der Schiff-Fahrt auf der Lena.
Nach neuesten deutsch/russischen Planspielen fährt dann vielleicht sogar statt
den "Deutschen Bullen" die- "Deutsche Bahn" in Russland auf den Strecken der
TRANSSIB und BAM! Aber mindestens bis dahin wird der unzerstörbar gute Ruf von
Magirus-"Deutsch" (wird oft statt "Deutz" gesagt!) halten. Hoffentlich wird er
an die nächsten Fahrer-Generationen weitergegeben.
Etwas von diesem Mythos fiel auch auf unser "Iveco-Magirus 80-16 AW" -
Wohnmobil ab, wenn wir uns auf Rastplätzen zwischen die Dreiachser drängten und
gegenseitig die "Luftgekühlten" begutachteten!